warum

warum

frag das licht warum es dich nicht dunkel sein lässt 
frag das leben warum du es leben musst 
frag die liebe warum sie dich nicht unliebbar macht 
frag die freude warum du nicht mehr leiden darfst 
frag die schmerzen warum sie dich nicht quälen
frag die wärme warum du nicht erfrieren darfst
frag dich selbst warum du dich nicht glücklich sein lässt 
frag die welt warum

silence

silence

i was never fluent in silence. i spoke empty words and talked too much and i talked about talking too much because silence scares me. i never liked her, the beautiful figure of not saying anything. the worth of not shooting a gun of words at any given time to kill the possibility of a question.

silence means letting go. not controlling the situation. always being the one to ask questions, doing sneaky topic changes, never letting anyone get to close to me. safety hazards to the perfect daughter / student / friend not allowed. shooting bullets at every moment of nothing.

i hate hearing myself talk. i know i drown myself and others in stories, that are neither new nor funny to them or me. i can’t change that. no matter how hard i try. silence scares me. silence will scare me. forever.

Perfektionismusleiden

Perfektionismusleiden

Kalendertag um Kalendertag
Kalenderwoche um Kalenderwoche
Kein Morgen ohne einen Blick ins Notizbuch
Kein morgen ohne einen Blick ins Notizbuch
Up-to-date sein
Die Angst zu vermissen, zu verpassen, zu vergessen
Die Angst Zeit zu verschwenden

Ein Tag ist es nicht wert gelebt zu werden
Wenn er nicht durchgeplant ist
Und so voll mit Aufgaben ist
Dass es nicht zu schaffen ist

Ein Tag war nicht mein Tag
Wenn ich mich nicht am Abend ärgere
Nicht alles zu schaffen
Weil es nicht zu schaffen war

Ich darf nicht verschwenden
Zeitverschwenden
Zeit ist kein Geld
Zeit ist Leben
Und leben für die Leistung
Ist mein Lebensmotto
Seit Anbeginn der Zeit

Wenn noch Luft nach oben ist
Auch wenn die Luft dünn wird
Wenn noch Luft nach oben ist
Ist das ein Ausdruck meines Versagens

Wenn die Luft nach oben nur noch dünn ist
Dann blühe ich auf
Noch eine Stunde mehr
Noch eine Aufgabe mehr
Absagen ist versagen

Versagen ist auch
Nicht stark genug gewesen zu sein
Die dünne Luft länger zu ertragen
Und ich wieder im Krankenhaus war
Und die Zeit nicht hab nutzen dürfen
Und wieder stärke Medikamente
Denn wenn die Luft dünn wird
Wird die Epilepsie laut

krank-bleiben

krank-bleiben

vielleicht will ich nicht gesund werden
vielleicht ist gesund sein nicht glücklich sein
vielleicht will ich krank sein und dafür in discos gehen, das flackerlicht und den alkohol genießen
vielleicht will ich krank sein und dafür wenig schlafen, viel kaffee trinken, viel lernen und erfolgreich werden.
vielleicht will ich krank sein und trinken, so viel bis ich mich übergebe, jedes wochenende, weil man das so macht, wenn man studiert.
vielleicht will ich nicht gesund werden 
vielleicht will ich krank bleiben
aber dafür jung sein
dafür ich sein
dafür niemand sein müssen

jemand-sein

jemand-sein

jemand sein dürfen
googlesuchergebnisse
menschen erkennen
von menschen erkannt werden
lachen, gemeinschaft
frieden finden
lieben dürfen
geliebt werden
vergangenheitsvergessen
gedanken verlieren

bestraft werden
mit dem genauen gegenteil
frieden im unfrieden finden
frieden im unglück finden
traurig sein bleibt leichter
niemals glücklich sein können
perfektionismusleiden
krank sein
krank bleiben
auf den tod warten
sich nicht erlösen können

vaterfigur

vaterfigur

mit acht jahren ließ mein vater meine schwester und mich regelmäßig lieder auswendig lernen. wer jetzt an kinderlieder denkt, denkt falsch. es ging in den liedern um tritte und schläge, um macheten und kurzstreckenraketen. wir waren der partygag zu seinen pokerabenden. wir rezitierten stellen, in denen der sänger davon singt, dass er ein messer an seine pulsadern führt.

nach der scheidung von meiner mutter hat mein vater es nie geschafft, ein umfeld zu schaffen, dass für kinder geeignet war, nicht einmal ein bisschen. wir waren trophäen seiner unfähigkeit. das ergebnis unüberlegter entscheidungen. souvenirs einer gescheiterten ehe. und ein übler partygag, den nie jemand verstand. eine beziehung, von mit noten und ehrenhaften hobbys käuflicher liebe geprägt. auf eine gewisse art der beginn vom ende.

ich bin erwachsen geworden, weil er es nie wurde. ich bin herangewachsen damit, jedes zweite wochenende zu pendeln, zwei stunden pro weg, um mich anschreien zu lassen. ich bin immun geworden, gegen rücksichtslosigkeit, gegen die oberflächlichkeit einer elterlichen beziehung. der schmerz sitzt tief, wo niemand an ihn rankommt, denn nur perfekt sein kann jemals an der unteren grenze des „gut-genug-seins“ kratzen.

danke für rein gar nichts.