mit acht jahren ließ mein vater meine schwester und mich regelmäßig lieder auswendig lernen. wer jetzt an kinderlieder denkt, denkt falsch. es ging in den liedern um tritte und schläge, um macheten und kurzstreckenraketen. wir waren der partygag zu seinen pokerabenden. wir rezitierten stellen, in denen der sänger davon singt, dass er ein messer an seine pulsadern führt.
nach der scheidung von meiner mutter hat mein vater es nie geschafft, ein umfeld zu schaffen, dass für kinder geeignet war, nicht einmal ein bisschen. wir waren trophäen seiner unfähigkeit. das ergebnis unüberlegter entscheidungen. souvenirs einer gescheiterten ehe. und ein übler partygag, den nie jemand verstand. eine beziehung, von mit noten und ehrenhaften hobbys käuflicher liebe geprägt. auf eine gewisse art der beginn vom ende.
ich bin erwachsen geworden, weil er es nie wurde. ich bin herangewachsen damit, jedes zweite wochenende zu pendeln, zwei stunden pro weg, um mich anschreien zu lassen. ich bin immun geworden, gegen rücksichtslosigkeit, gegen die oberflächlichkeit einer elterlichen beziehung. der schmerz sitzt tief, wo niemand an ihn rankommt, denn nur perfekt sein kann jemals an der unteren grenze des „gut-genug-seins“ kratzen.
danke für rein gar nichts.
